SIGACTION(2) Linux-Programmierhandbuch SIGACTION(2)

sigaction, rt_sigaction - Signalaktionen untersuchen und ändern

ÜBERSICHT

#include <signal.h>
int sigaction(int signum, const struct sigaction *restrict akt,
              struct sigaction *restrict altakt);
Mit Glibc erforderliche Makros (siehe feature_test_macros(7)):

sigaction():


_POSIX_C_SOURCE

siginfo_t:


_POSIX_C_SOURCE >= 199309L

Der Systemaufruf sigaction wird zur Veränderung der von einem Prozess beim Empfang eines Signals durchgeführten Aktion benutzt. (Siehe signal(7) für einen Überblick über Signale.)

signum legt das Signal fest und kann jedes gültige Signal außer SIGKILL und SIGSTOP sein.

Falls akt nicht NULL ist, wird die neue Aktion für Signal signum aus akt installiert. Falls altakt nicht Null ist, wird die vorherige Aktion in altakt gespeichert.

Die Struktur sigaction wird durch etwas wie das folgende definiert:


struct sigaction {

void (*sa_handler)(int);
void (*sa_sigaction)(int, siginfo_t *, void *);
sigset_t sa_mask;
int sa_flags;
void (*sa_restorer)(void); };

Auf einigen Architekturen ist eine Union beteiligt; weisen Sie diese nicht sowohl sa_handler als auch sa_sigaction zu.

Das Feld sa_restorer ist nicht zur Verwendung durch Anwendungen gedacht. (POSIX spezifiziert ein Feld sa_restorer nicht.) Weitere Details über den Zweck dieses Feldes finden Sie in sigreturn(2).

sa_handler bestimmt die Aktion, die signum zugeordnet werden soll und ist eine der folgenden:

  • SIG_DFL für die Standardaktion.
  • SIG_IGN um dieses Signal zu ignorieren.
  • Ein Zeiger auf eine Signalhandhabungsfunktion. Diese Funktion empfängt die Signalnummer als sein einziges Argument.

Falls SA_SIGINFO in sa_flags festgelegt ist, dann legt sa_sigaction (statt sa_handler) die Signal-Handhabungsfunktion für signum fest. Diese Funktion empfängt wie unten beschrieben drei Argumente.

sa_mask legt eine Signalmaske fest, die angibt, welche Signale während der Ausführung der Signalhandhabungsfunktion blockiert (d.h. zu der Signalmaske des Threads, in der der Signal-Handler aufgerufen wird, hinzugefügt) werden sollen. Zusätzlich wird das Signal, das den Handler ausgelöst hat, blockiert, falls nicht der Schalter SA_NODEFER verwandt wurde.

sa_flags legt eine Gruppe von Schaltern fest, die das Verhalten des Signals verändern. Es wird durch bitweise ODER-Verknüpfung von Null oder mehreren der folgenden Werte erstellt:

Falls signum SIGCHLD ist, werden keine Benachrichtigungen empfangen, wenn ein Kindprozess gestoppt (d.h. wenn es SIGSTOP, SIGTSTP, SIGTTIN oder SIGTTOU empfängt) oder wiederaufgenommen wird (d.h. es SIGCONT empfängt) (siehe wait(2)). Dieser Schalter ist nur bei der Einrichtung eines Handlers für SIGCHLD von Bedeutung.
Falls signum SIGCHLD ist, Kinder nicht beim Beenden in Zombies umwandeln. Siehe auch waitpid(2). Dieser Schalter ist nur beim Aufbau eines Handlers für SIGCHLD von Bedeutung oder wenn die Zuordnung dieses Signals zu SIG_DFL gesetzt wird.
Falls der Schalter SA_NOCLDWAIT beim Einrichten eines Handlers für SIGCHLD gesetzt ist, lässt es POSIX.1 unspezifiziert, ob ein Signal SIGCHLD generiert wird, wenn sich ein Kindprozess beendet. Unter Linux wird in diesem Fall ein Signal SIGCHLD generiert, bei einigen anderen Implementierungen passiert das nicht.
Fügt das Signal nicht zu der Signalmaske des Threads hinzu, während der Handler ausgeführt wird, außer das Signal ist in act.sa_mask festgelegt. Folgerichtig kann eine weitere Instanz des Signals an den Thread ausgeliefert werden, während er den Handler ausführt. Dieser Schalter ist nur beim Aufbau eines Signal-Handlers von Bedeutung.
SA_NOMASK ist ein veraltetes, nicht standardisiertes Synonym für diesen Schalter.
Den Signal-Handler auf einen alternativen, durch sigaltstack(2) bereitgestellten Signal-Stack aufrufen. Falls kein alternativer Stack verfügbar ist, wird der Standard-Stack verwandt. Dieser Schalter ist nur beim Aufbau eines Signal-Handlers von Bedeutung.
Stellt die Signalaktion beim Eintritt in den Signal-Handler auf den Vorgabewert zurück. Dieser Schalter ist nur bei der Einrichtung eines Handlers von Bedeutung.
SA_ONESHOT ist ein veraltetes, nicht standardisiertes Synonym für diesen Schalter.
Stellt ein zur BSD-Signalsemantik kompatibles Verhalten her, indem bestimmte Systemaufrufe über Signale hinweg neu gestartet werden können. Dieser Schalter ist nur bei der Einrichtung eines Handlers von Bedeutung. Siehe signal(7) für eine Diskussion bezüglich des Neustarts von Systemaufrufen.
Nicht für die Verwendung von Anwendungen gedacht. Dieser Schalter wird von C-Bibliotheken verwandt, um anzuzeigen, dass das Feld sa_restorer die Adresse eines »Signaltrampolins« enthält. Siehe sigreturn(2) für weitere Details.
Der Signal-Handler erwartet drei Argumente, nicht eines. In diesem Fall sollte sa_sigaction auf sa_handler gesetzt werden. Dieser Schalter ist nur bei der Einrichtung eines Handlers von Bedeutung.
Wird zum dynamischen Testen für Schalter-Bit-Unterstützung verwandt.
Falls ein Versuch, einen Handler mit diesem gesetzten Schalter zu registrieren erfolgreich ist, wobei dieser Schalter in act->sa_flags zusammen mit anderen Schaltern, die möglicherweise vom Kernel nicht unterstützt werden, gesetzt ist und ein sofort folgender Aufruf von sigaction(), der die gleiche Signalnummer und mit einem von NULL verschiedenen Argument oldact hat, SA_UNSUPPORTED clear in oldact->sa_flags ergibt, dann kann oldact->sa_flags als Bitmaske verwandt werden, welche der möglicherweise nicht unterstützten Schalter tatsächlich unterstützt werden. Siehe den Abschnitt »Dynamisches Ermitteln für Schalter-Bit-Unterstützung« für weitere Details.
Normalerweise wird beim Ausliefern eines Signals eine architekturabhängige Gruppe von Markierungsbits aus dem Feld si_addr von siginfo_t bereinigt. Falls dieser Schalter gesetzt ist, wird eine architekturabhängige Teilgruppe der Markierungsbits in si_addr erhalten.
Programme, die mit Linux-Versionen älter als 5.11 kompatibel sein müssen, müssen SA_UNSUPPORTED zur Ermittlung der Unterstützung verwenden.

Wenn der Schalter SA_SIGINFO in act.sa_flags angegeben wird, wird die Adresse des Signal-Handlers über das Feld act.sa_sigaction übergeben. Dieser Handler akzeptiert drei Argumente wie folgt:


void
handler(int sig, siginfo_t *info, void *ucontext)
{

... }

Die Bedeutung der drei Argumente im Einzelnen:

Die Anzahl der Signale, die den Aufruf des Handlers hervorriefen.
Ein Zeiger auf ein siginfo_t. Dies ist eine Struktur, die weitere Informationen, wie unten beschrieben, über das Signal enthält.
Dies ist ein Zeiger auf eine Struktur ucontext_t, typenumgewandelt auf void *. Die Struktur, auf die von diesem Feld gezeigt wird, enthält Signalkontextinformationen, die vom Benutzerraum-Stack durch den Kernel gespeichert wurden; für Details siehe sigreturn(2). Weitere Informationen über die Struktur ucontext_t können in getcontext(3) und signal(7) gefunden werden. Typischerweise verwendet die Handler-Funktion das dritte Argument nicht.

Der Datentyp siginfo_t ist eine Struktur mit den folgenden Feldern:


siginfo_t {

int si_signo; /* Signalnummer */
int si_errno; /* Ein Errno-Wert */
int si_code; /* Signal-Code */
int si_trapno; /* Ausnahmebehandlungsnummer die das Hardware-
gestüzte Signal hervorrief
(auf den meisten Architekturen unbenutzt) */
pid_t si_pid; /* Senden der Prozesskennung */
uid_t si_uid; /* Echte Benutzerkennung des sendenden Prozesses */
int si_status; /* Exit-Wert oder -Signal */
clock_t si_utime; /* Verbrauchte Benutzerzeit */
clock_t si_stime; /* Verbrauchte Systemzeit */
union sigval si_value; /* Signalwert */
int si_int; /* POSIX.1b-Signal */
void *si_ptr; /* POSIX.1b-Signal */
int si_overrun; /* Timer-Überlaufzähler;
POSIX.1b-Timer */
int si_timerid; /* Timer-Kennung; POSIX.1b-Timer */
void *si_addr; /* Speicherort, der die Ausnahmebehnadlung auslöste */
long si_band; /* Bandeereignis (war int in
Glibc 2.3.2 und älter) */
int si_fd; /* Dateideskriptor */
short si_addr_lsb; /* Niedrigstes Bit der Adresse
(seit Linux 2.6.32) */
void *si_lower; /* Untere Grenze bei Adresssverletzung
aufgetreten (seit Linux 3.19) */
void *si_upper; /* Obere Grenze bei Adresssverletzung
aufgetreten (seit Linux 3.19) */
int si_pkey; /* Schutzschlüssel auf PTE der die
Ausnahmebehandlung auslöste (seit Linux 4.6) */
void *si_call_addr; /* Adresse der Systemaufrufanweisung
(seit Linux 3.5) */
int si_syscall; /* Nummer des versuchten Systemaufrufs
(seit Linux 3.5) */
unsigned int si_arch; /* Architektur des versuchten Systemaufrufs
(seit Linux 3.5) */ }

si_signo, si_errno und si_code sind für alle Signale definiert. (si_errno ist im Allgemeinen unter Linux unbenutzt). Der Rest der Struktur kann eine Union sein, daher sollten nur die Felder ausgelesen werden, die für das übergebene Signal von Bedeutung sind:

  • Signale, die mit kill(2) und sigqueue(3) gesandt werden, füllen si_pid und si_uid aus. Zusätzlich füllen Signale, die mit sigqueue(3) gesandt werden, si_int und si_ptr mit den vom Sender angegebenen Werten aus. Siehe sigqueue(3) für weitere Details.
  • Signale, die von POSIX.1b-Timern gesendet werden (seit Linux 2.6), füllen si_overrun und si_timerid. Das Feld si_timerid ist eine interne Kennung, die vom Kernel zur Identifikation des Timers benutzt wurde, sie ist nicht mit der durch timer_create(2) zurückgelieferten Kennung identisch. Das Feld si_overrun ist der Timer-Überlaufzähler. Dies ist die gleiche Information, wie sie durch einen Aufruf von timer_getoverrun(2) erhalten wird. Diese Felder sind nicht standardisierte Linux-Erweiterungen.
  • Signale, die der Nachrichtenbenachrichtigungswarteschlange gesandt werden (siehe die Beschreibung von SIGEV_SIGNAL in mq_notify(3)), füllen si_int/si_ptr, wobei sigev_value für mq_notify(3) bereitgestellt wird, si_pid mit der Prozesskennung des Absenders und si_uid mit der realen Benutzerkennung des Nachrichtensenders.
  • SIGCHLD füllt si_pid, si_uid, si_status, si_utime und si_stime mit Informationen über das Kind aus. Das Feld si_pid ist die Prozesskennung des Kindes; si_uid ist die reale Benutzerkennung. Das Feld si_status enthält den Exit-Status des Kindes (falls si_code CLD_EXITED ist) oder die Signalnummer, die den Prozess zur Zustandsänderung veranlasst hat. si_utime und si_stime enthalten die vom Kindprozess verwandte Benutzer- und System-CPU-Zeit, diese Felder enthalten nicht die Zeit von Kindern, auf die gewartet wurde (anders als getrusage(2) und times(2)). In Kerneln bis 2.6 und seit 2.6.27 berichten diese Felder die CPU-Zeit in Einheiten von sysconf(_SC_CLK_TCK). In 2.6er Kerneln vor 2.6.27 wurden durch einen Fehler diese Felder in Einheiten der (konfigurierbaren) System-Jiffys berichtet (siehe time(7)).
  • SIGILL, SIGFPE, SIGSEGV, SIGBUS und SIGTRAP füllen in si_addr die Adresse der Ausnahmebehandlung ein. Auf einigen Architekturen werden diese Signale auch in das Feld si_trapno eingefüllt.
Einige Unterfehler von SIGBUS, insbesondere BUS_MCEERR_AO und BUS_MCEERR_AR, füllen auch si_addr_lsb aus. Dieses Feld zeigt die niedrigste Bit der berichteten Adresse and und somit die größe der Beschädigung. Wurde beispielsweise eine ganze Seite beschädigt, enthält si_addr_lsb contains log2(sysconf(_SC_PAGESIZE)). Wenn SIGTRAP als Antwort auf ein ptrace(2)-Ereignis (PTRACE_EVENT_foo) geliefert wird, dann wird si_addr nicht gefüllt, aber si_pid und si_uid werden mit der respektiven Prozesskennung und Benutzerkennung, die für das Ausliefern der Ausnahmebehandlung verantwortlich sind, gefüllt. Im Falle von seccomp(2) wird das nachverfolgte Programm (»Tracee«) als Auslieferer des Ereignisses angezeigt. BUS_MCEERR_* and si_addr_lsb sind Linux-spezifische Erweiterungen.
Der Unterfehler SEGV_BNDERR von SIGSEGV belegt si_lower und si_upper.
Der Unterfehler SEGV_PKUERR von SIGSEGV belegt si_pkey.
  • SIGIO/SIGPOLL (die zwei Namen sind unter Linux synonym) füllen si_band und si_fd aus. Das Ereignis si_band ist eine Bitmaske, die die gleichen Werte enthält, die auch durch poll(2) in das Feld revents eingetragen werden. Das Feld si_fd zeigt den Dateideskriptor an, für den ein E/A-Ereignis aufgetreten ist. Für weitere Details lesen Sie die Beschreibung von F_SETSIG in fcntl(2).
  • SIGSYS, erstellt (seit Linux 3.5) wenn ein Seccomp-Filter SECCOMP_RET_TRAP zurückliefert, füllt si_call_addr, si_syscall, si_arch, si_errno und andere Felder wie in seccomp(2) beschrieben aus.

Das Feld si_code innerhalb des an den Signal-Handler SA_SIGINFO übergebenen Arguments siginfo_t ist ein Wert (keine Bitmaske), der angibt, warum dieses Signal gesendet wurde. Für ein ptrace(2)-Ereignis wird si_code SIGTRAP enthalten und das Ptrace-Ereignis im hohen Byte enthalten.


(SIGTRAP | PTRACE_EVENT_foo << 8).

Für ein Ereignis außerhalb von ptrace(2) sind die Werte, die in si_code erscheinen können, im Rest dieses Abschnittes beschrieben. Seit Glibc 2.20 werden die Definitionen der meisten dieser Symbole aus <signal.h> erhalten, indem Feature-Test-Makros (vor dem Einbinden irgendeiner Header-Datei) wie folgt definiert werden:

  • _XOPEN_SOURCE mit dem Wert 500 oder größer;
  • _XOPEN_SOURCE und _XOPEN_SOURCE_EXTENDED; oder
  • _POSIX_C_SOURCE mit einem Wert 200809L oder größer.

Für die Konstanten TRAP_* werden die Symboldefinitionen nur in den ersten zwei Fällen bereitgestellt. Vor Glibc 2.20 wurde kein Feature-Test-Makro zum Erhalt dieser Symbole benötigt.

Für ein reguläres Signal zeigt die folgende Liste die Werte, die in si_code für jedes Signal gelegt werden können, zusammen mit dem Grund für die Erstellung des Signals.

kill(2)
Vom Kernel geschickt
sigqueue(3)
POSIX-Timer ausgelaufen
POSIX-Nachrichtenwarteschlangenstatus geändert; siehe mq_notify(3).
AIO abgeschlossen
SIGIO in die Warteschlange eingereiht (nur in Kerneln bis Linux 2.2; seit Linux 2.4 füllt wie unten beschrieben SIGIO/SIGPOLL in si_code).
tkill(2) oder tgkill(2)

Die folgenden Werte können in si_code für ein Signal SIGILL gesetzt werden:

Ungültiger Opcode
Ungültiger Operand
Ungültiger Adressierungsmodus
Ungültige Ausnahmebehandlung.
Privilegierter Opcode
Privilegiertes Register
Koprozessorfehler
Interner Stack-Fehler

Die folgenden Werte können in si_code für ein Signal SIGFPE gesetzt werden:

Ganzzahldivision durch Null
Ganzzahlüberlauf
Fließkommadivision durch Null
Fließkommazahlüberlauf
Fließkommazahlunterlauf
Ungenaues Fließkommaergebnis
Ungültige Fließkommazahlaktion
Index außerhalb des Bereichs

Die folgenden Werte können in si_code für ein Signal SIGSEGV gesetzt werden:

Adresse ist keinem Objekt zugeordnet.
Ungültige Berechtigungen für zugeordnetes Objekt.
Adressgrenzenprüfung fehlgeschlagen
Zugriff wurde durch Speicherschutzschlüssel verweigert. Siehe pkeys(7). Der auf diesen Zugriff passende Schutzschlüssel ist in si_pkey verfügbar.

Die folgenden Werte können in si_code für ein Signal SIGBUS gesetzt werden:

Ungültige Adressausrichtung.
Nichtexistierende physische Adresse.
Objektspezifischer Hardwarefehler.
Hardware-Speicherfehler wurde in einem Maschinen-Check verarbeitet; Aktion notwendig.
Hardwarespeicherfehler im Prozess erkannt aber nicht verwendet; Aktion optional.

Die folgenden Werte können in si_code für ein Signal SIGTRAP gesetzt werden:

Prozess-Unterbrechungspunkt
Prozessnachverfolgungsausnahmebehandlung.
Prozess hat die Ausnahmebehandlung des Zweiges genommen.
Hardware-Unterbrechungs-/Überwachungspunkt.

Die folgenden Werte können in si_code für ein Signal SIGCHLD gesetzt werden:

Kind hat sich beendet.
Kind wurde getötet
Kind wurde anormal beendet.
Das nachverfolgte Kind kam in eine Ausnahmebehandlung.
Kind wurde gestoppt.
Gestopptes Kind hat fortgefahren.

Die folgenden Werte können in si_code für ein Signal SIGIOSIGPOLL gesetzt werden:

Dateneingabe verfügbar
Ausgabepuffer verfügbar
Eingabenachricht verfügbar
E/A-Fehler (engl. I/O).
Eingabe hoher Priorität verfügbar
Gerät abgetrennt

Die folgenden Werte können in si_code für ein Signal SIGSYS gesetzt werden:

Ausgelöst durch eine seccomp(2)-Filterregel.

Unter Linux akzeptiert der Aufruf sigaction() ohne Fehler unbekannte Bits, die in act->sa_flags gesetzt sind. Beginnend mit Linux 5.11 ist das Verhalten, dass ein zweiter Aufruf von sigaction() unbekannte Bits aus oldact->sa_flags bereinigen wird. Allerdings würde historisch ein zweiter Aufruf von sigaction() diese Bits in oldact->sa_flags gesetzt lassen.

Das bedeutet, dass die Unterstützung für neue Schalter nicht einfach dadurch erkannt werden kann, indem auf einen Schalter in sa_flags getestet wird und ein Programm muss testen, dass SA_UNSUPPORTED bereinigt wurde, beovr es sich auf die Inhalte von sa_flags verlassen kann.

Da das Verhalten des Signal-Handlers nicht garantiert werden kann, außer diese Prüfung war erfolgreich, ist es Weise, entweder das betroffene Signal zu blockieren, während der Handler registriert wird und in diesem Fall die Prüfung durchzuführen, oder, wo das nicht möglich ist, beispielsweise falls das Signal synchron ist, einen zweiten sigaction() im Signal-Handler selbst auszulösen.

Bei Kerneln, die einen bestimmten Schalter nicht unterstützen, verhält sich der Kernel so, als ob der Schalter nicht gesetzt worden wäre, selbst wenn der Schalter in act->sa_flags gesetzt wurde.

Die Schalter SA_NOCLDSTOP, SA_NOCLDWAIT, SA_SIGINFO, SA_ONSTACK, SA_RESTART, SA_NODEFER, SA_RESETHAND und, falls durch die Architektur definiert, SA_RESTORER können nicht zuverlässig mittels dieses Mechanismus erkannt werden, da sie vor Linux 5.11 eingeführt wurden. Allerdings können Programme im Allgemeinen annehmen, dass diese Schalter unterstüzt werden, da sie alle seit Linux 2.6, das im Jahr 2003 veröffentlicht wurde, unterstützt werden.

Siehe nachfolgende BEISPIELE für eine Vorstellung des Einsatzes von SA_UNSUPPORTED.

sigaction() gibt bei Erfolg Null zurück. Bei einem Fehler wird -1 zurückgegeben und errno entsprechend gesetzt.

akt oder altakt zeigt aus dem vom Prozess adressierbaren Adressraum heraus.
Ein ungültiges Signal wurde angegeben. Dieser Fehler wird auch ausgelöst, wenn versucht wird, die Aktion für SIGKILL oder SIGSTOP zu ändern, da diese nicht abgefangen oder ignoriert werden können.

POSIX.1-2001, POSIX.1-2008, SVr4.

Ein mittels fork(2) erstellter Kindprozess erbt eine Kopie der Signalzuordnungen seines Elternprozesses. Während eines execve(2) werden die Zuordnungen von verwalteten Signalen auf die Vorgabe zurückgesetzt; die Zuordnung ignorierter Signale werden unverändert gelassen.

Laut POSIX ist das Verhalten eines Prozesses undefiniert, nachdem er ein Signal SIGFPE, SIGILL oder SIGSEGV ignoriert hat, das nicht von kill(2) oder raise(3) erstellt wurde. Ganzzahldivision durch Null hat ein undefiniertes Ergebnis. Auf einigen Architekturen wird dies ein Signal SIGFPE hervorrufen. (Auch kann die Division der größten negativen Ganzzahl durch -1 SIGFPE hervorrufen.) Wird dieses Signal ignoriert, kann eine Endlosschleife auftreten.

POSIX.1-1990 verbot das Setzen der Aktion für SIGCHLD bis SIG_IGN. POSIX.1-2001 und neuer erlauben diese Möglichkeit, so dass das Ignorieren von SIGCHLD zur Vermeidung von Zombies verwandt werden kann (siehe wait(2)). Allerdings unterscheiden sich die historischen BSD- und System-V-Verhalten für das Ignorieren von SIGCHLD, so dass die einzige komplett portable Methode, um sicherzustellen, dass beendete Kinder nicht Zombies werden, das Fangen des Signals SIGCHLD und das Durchführen eines wait(2) oder ähnlichem ist.

POSIX.1-1990 spezifizierte nur SA_NOCLDSTOP. POSIX.1-2001 fügte SA_NOCLDSTOP, SA_NOCLDWAIT, SA_NODEFER, SA_ONSTACK, SA_RESETHAND, SA_RESTART und SA_SIGINFO hinzu. Benutzung letzterer Werte in sa_flags könnte in Anwendungen, die für ältere UNIX-Implementierungen gedacht sind, weniger portabel sein.

Der Schalter SA_RESETHAND ist zu dem SVr4-Schalter mit dem gleichen Namen kompatibel.

Der Schalter SA_NODEFER ist mit dem SVr4-Schalter des gleichen Namens unter Kerneln 1.3.9 und neuer kompatibel. Unter älteren Kerneln erlaubte die Linux-Implementierung nicht das Empfangen irgendeines Signals, nicht nur desjenigen, das installiert wurde (was effektiv die Einstellungen sa_mask außer Kraft setzt).

Wird sigaction mit Null als zweitem Argument aufgerufen, kann der augenblickliche Signal-Handler abgefragt werden. Die Funktion kann auch dazu benutzt werden, die Gültigkeit eines Signales für die aktuelle Maschine zu überprüfen, indem sie mit Null als zweitem und drittem Argument aufgerufen wird.

Es ist nicht möglich, SIGKILL oder SIGSTOP zu blockieren (indem sie in sa_mask festgelegt werden). Derartige Versuche werden ohne Rückmeldung ignoriert.

Siehe sigsetops(3) für Details über das Bearbeiten von Signalgruppen.

Siehe signal-safety(7) für eine Liste der asynchron-signalsicheren Funktionen, die sicher innerhalb eines Signal-Handlers aufgerufen werden können.

Die Glibc-Wrapper-Funktion für sigaction() liefert bei Versuchen, die Zuordnung der zwei intern durch die NPTL-Threading-Implementierung verwandten Echtzeitsignale zu ändern, einen Fehler zurück. Siehe nptl(7) für Details.

Auf Architekturen, bei denen das Signal-Trampolin innerhalb der C-Bibliothek liegt, setzt die Glibc-Wrapper-Funktion für sigaction() die Adresse des Trampolin-Codes in das Feld act.sa_restorer und SA_RESTORER in das Feld act.sa_flags. Siehe sigreturn(2).

Der ursprüngliche Linux-Systemaufruf hieß sigaction(). Mit dem Hinzufügen von Echtzeitsignalen in Linux 2.2 passte der mit einer festen Größe versehene 32-Bit-Typ sigset_t nicht mehr für den Zweck. Daher wurde ein neuer Systemaufruf rt_sigaction() mit einem vergrößerten Typ sigset_t hinzugefügt. Der neue Systemaufruf akzeptiert ein viertes Argument size_t sigsetsize, das die Größe in Bytes der Signalgruppe in act.sa_mask und oldact.sa_mask festlegt. Dieses Argument muss derzeit den Wert sizeof(sigset_t) enthalten oder der Fehler EINVAL tritt auf. Die Glibc-Wrapper-Funktion sigaction() versteckt diese Details und ruft rt_sigaction() transparent auf, wenn der Kernel ihn bereitstellt.

Vor der Einführung von SA_SIGINFO war es auch möglich, einige zusätzliche Informationen über das Signal zu erhalten. Dies erfolgte durch Bereitstellung eines sa_handler-Signal-Handlers mit einem zweiten Argument des Typs struct sigcontext, das die gleiche Struktur ist, wie jene, die im Feld uc_mcontext der Struktur ucontext übergeben wird, die wiederum (mittels eines Zeigers) als drittes Argument des Handlers sa_sigaction übergeben wird. Siehe die relevanten Kernelquellen für Details. Diese Verwendung ist jetzt veraltet.

Wird ein Signal mit einem SA_SIGINFO-Handler ausgeliefert, stellt der Kernel nicht immer aussagekräftige Werte für alle Felder von siginfo_t, die relevant für dieses Signal sind, bereit.

In Kerneln bis einschließlich 2.6.13 verhinderte die Festlegung von SA_NODEFER in sa_flags nicht nur die Ausblendung des ausgelieferten Signals während der Ausführung des Handlers sondern auch der in sa_mask festgelegten Signale. Dieser Fehler wurde in Kernel 2.6.14 behoben.

Siehe mprotect(2)

Das nachfolgende Beispielprogramm beendet sich mit dem Status EXIT_SUCCESS falls bestimmt wird, dass SA_EXPOSE_TAGBITS unterstützt wird, und andernfalls mit EXIT_FAILURE.

#include <signal.h>
#include <stdlib.h>
#include <stdio.h>
#include <unistd.h>
void
handler(int signo, siginfo_t *info, void *context)
{

struct sigaction oldact;
if (sigaction(SIGSEGV, NULL, &oldact) == -1 ||
(oldact.sa_flags & SA_UNSUPPORTED) ||
!(oldact.sa_flags & SA_EXPOSE_TAGBITS)) {
_exit(EXIT_FAILURE);
}
_exit(EXIT_SUCCESS); } int main(void) {
struct sigaction act = { 0 };
act.sa_flags = SA_SIGINFO | SA_UNSUPPORTED | SA_EXPOSE_TAGBITS;
act.sa_sigaction = &handler;
if (sigaction(SIGSEGV, &act, NULL) == -1) {
perror("sigaction");
exit(EXIT_FAILURE);
}
raise(SIGSEGV); }

kill(1), kill(2), pause(2), pidfd_send_signal(2), restart_syscall(2), seccomp(2), sigaltstack(2), signal(2), signalfd(2), sigpending(2), sigprocmask(2), sigreturn(2), sigsuspend(2), wait(2), killpg(3), raise(3), siginterrupt(3), sigqueue(3), sigsetops(3), sigvec(3), core(5), signal(7)

Diese Seite ist Teil der Veröffentlichung 5.13 des Projekts Linux-man-pages. Eine Beschreibung des Projekts, Informationen, wie Fehler gemeldet werden können sowie die aktuelle Version dieser Seite finden sich unter https://www.kernel.org/doc/man-pages/.

ÜBERSETZUNG

Die deutsche Übersetzung dieser Handbuchseite wurde von René Tschirley <gremlin@cs.tu-berlin.de>, Martin Eberhard Schauer <Martin.E.Schauer@gmx.de> und Helge Kreutzmann <debian@helgefjell.de> erstellt.

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27. August 2021 Linux