TAPESTAT(1) Linux-Anwenderhandbuch TAPESTAT(1) BEZEICHNUNG tapestat - Statistiken zu Bandlaufwerken erstellen. UBERSICHT tapestat [ -k | -m ] [ -t ] [ -U ] [ -V ] [ -y ] [ -z ] [ --human ] [ -o JSON ] [ Intervall [ Anzahl ] ] BESCHREIBUNG Der Befehl tapestat wird zur Uberwachung der Aktivitat von Bandlaufwerken verwendet, die mit dem System verbunden sind. Der erste vom Befehl tapestat erstellte Bericht stellt Statistiken uber den Zeitraum seit dem Systemstart bereit, es sei denn, die Option -y wird verwendet, wodurch dieser erste Bericht ausgelassen wird. Jeder der darauf folgenden Berichte bezieht sich auf die Zeit seit dem vorhergehenden Bericht. Der Parameter Intervall gibt die Zeit in Sekunden zwischen den einzelnen Berichten an. Der Parameter Anzahl kann zusammen mit dem Parameter Intervall angegeben werden. Falls der Parameter Anzahl angegeben ist, bestimmt dieser Wert die Anzahl der Berichte, die im Abstand von Intervall (in Sekunden) erfolgen. Falls der Parameter Intervall ohne den Parameter Anzahl angegeben ist, erzeugt der Befehl tapestat die Berichte fortlaufend. BERICHT Der tapestat-Bericht stellt Statistiken fur jedes mit dem System verbundene Bandlaufwerk bereit. Die folgenden Daten werden angezeigt: r/s Anzahl der ausgegebenen Lesevorgange als durchschnittliche Anzahl pro Sekunde gemittelt im Intervall. w/s Anzahl der ausgegebenen Schreibvorgange als durchschnittliche Anzahl pro Sekunde im Intervall. kB_read/s | MB_read/s Menge der gelesenen Daten, ausgedruckt in Kibibyte (standardmassig oder wenn die Option -k verwendet wird) oder Mebibyte (wenn die Option -m verwendet wird) pro Sekunde, als Durchschnittswert im Intervall ermittelt. kB_wrtn/s | MB_wrtn/s Menge der geschriebenen Daten, ausgedruckt in Kibibyte (standardmassig oder wenn die Option -k verwendet wird) oder Mebibyte (wenn die Option -m verwendet wird) pro Sekunde, als Durchschnittswert im gesamten Intervall ermittelt. %Rd Prozentsatz der Lese-Wartezeit - der Prozentsatz der Zeit innerhalb des Intervalls, die mit Warten auf Abschluss von Leseanfragen verbracht wurde. Die Zeit wird vom Aussenden der Anfrage an die SCSI-Zwischenebene bis zur Abschlussmeldung gemessen. %Wr Prozentsatz der Schreib-Wartezeit - der Prozentsatz der Zeit innerhalb des Intervalls, die mit Warten auf Abschluss von Schreibanfragen verbracht wurde. Die Zeit wird vom Aussenden der Anfrage an die SCSI-Zwischenebene bis zur Abschlussmeldung gemessen. %Oa Prozentsatz der Gesamt-Wartezeit - der Prozentsatz der Zeit innerhalb des Intervalls, die mit Warten auf Abschluss aller E/A-Anfragen verbracht wurde (lesen, schreiben und andere). Rs/s bezeichnet die Anzahl der E/A-Vorgange, ausgedruckt als durchschnittliche Anzahl pro Sekunde im Intervall, wobei ein von Null verschiedener Restwert festgestellt wurde. Ot/s Die Anzahl der E/A-Vorgange, ausgedruckt als durchschnittliche Anzahl pro Sekunde innerhalb des Intervalls, die als >>andere<< einbezogen wurden. Andere E/A-Vorgange beziehen ioctl-Aufrufe an den Bandlaufwerk-Treiber und implizite Vorgange wie Zuruckspulen beim Schliessen ein (fur Bandlaufwerke, die Zuruckspulen beim Schliessen unterstutzen). Nicht einbezogen werden E/A-Vorgange, die mittels Methoden ausserhalb des Bandlaufwerk-Treibers ausgefuhrt werden (zum Beispiel uber Sg-Ioctls). OPTIONEN --human gibt Grossen in einem menschenlesbaren Format aus (zum Beispiel 1.0k, 1.2M, usw.). Die mit dieser Option angezeigten Einheiten ersetzen jegliche andere Standardeinheiten (zum Beispiel Kibibyte oder Sektoren usw.), die den Metriken zugeordnet sind. -k zeigt die Menge der geschriebenen oder gelesenen Daten in Kibibyte pro Sekunde statt in Mebibyte pro Sekunde an. Diese Option und die Option -m schliessen sich gegenseitig aus. -m zeigt die Menge der geschriebenen oder gelesenen Daten in Mebibyte pro Sekunde statt in Kibibyte pro Sekunde an. Diese Option und die Option -k schliessen sich gegenseitig aus. -o JSON Zeigt die Statistiken im Format JSON (JavaScript Object Notation). Die Reihenfolge der Ausgabefelder in JSON ist nicht definiert und in der Zukunft konnen weitere Felder hinzugefugt werden. -t zeigt Zeitstempel an. Das Zeitstempelformat kann vom Wert der Umgebungsvariable S_TIME_FORMAT abhangen (siehe unten) und ob die Option -U verwandt wurde. -U Zeigt Zeitstempel (UTC - Koordinierte Weltzeit) in Sekunden seit dem Epoch. -V zeigt die Versionsnummer an und beendet das Programm. -y lasst die ursprungliche Statistik aus, welche die Werte seit dem Systemstart anzeigt. -z weist tapestat an, die Ausgabe fur Bandlaufwerke auszulassen, fur die keine Aktivitat wahrend der Uberwachungsperiode festgestellt wurde. UBERLEGUNGEN Es ist moglich, dass ein Prozentwert (lesen, schreiben oder andere) grosser als 100 sein kann (der Befehl tapestat zeigt niemals einen Prozentwert grosser als 999 an). Wenn das Intervall auf 5 Sekunden festgelegt ist, aber Zuruckspulen eines Bandes 40 Sekunden dauert, wird der %0a-Wert als 0 in den Intervallen angezeigt, bevor das Zuruckspulen abgeschlossen ist, und nach abgeschlossenem Zuruckspulen als etwa 800 Prozent. Ahnliche Werte werden fur %Rd und %Wr beobachtet, wenn ein Bandlaufwerk das Lesen oder Schreiben unterbricht und dann neu startet (das heisst, dass die Datenstromubertragung gestoppt wird). In einem solchen Fall kann es vorkommen, dass die Lese- oder Schreibvorgange pro Sekunde auf Null fallen und der %Rd/%Wr-Wert hoher als 100 sein konnte, wenn das Lesen oder Schreiben fortgesetzt wird (je nachdem, wie lange der Neustart des Lesens oder Schreibens dauert). Dies ist nur dann ein Problem, wenn es haufig vorkommt, da dies zu Bandverschleiss fuhren kann und sich auf die Datensicherungszeiten auswirkt. Bei schnellen Bandlaufwerken werden moglicherweise geringe prozentuale Wartezeiten angezeigt. Das weist nicht auf ein Problem mit dem Bandlaufwerk hin. Fur ein langsameres Bandlaufwerk (zum Beispiel ein DDS-Laufwerk der alteren Generation) ist die Geschwindigkeit des Bandes (und somit des Bandlaufwerks) viel geringer als die der E/A-Vorgange im Dateisystem, daher sind die prozentualen Wartezeiten wahrscheinlich hoher. Bei schnelleren Bandlaufwerken (zum Beispiel LTO) sind die prozentualen Wartezeiten wahrscheinlich geringer, da ein Programm, das auf das Band schreibt oder vom Band liest, aufgrund des hoheren Durchsatzes mehr Dateisystem-E/A-Vorgange bewaltigen kann. Bandstatistiken werden zwar mittels atomarer Variablen im Kernel implementiert, konnen aber nicht atomar als Gruppe gelesen werden. Alle statistischen Werte werden aus verschiedenen Dateien unterhalb von /sys gelesen. Deshalb kann es vorkommen, dass E/A-Vorgange erst beim Lesen der verschiedenen Dateien fur das eine Bandlaufwerk abgeschlossen werden. Dies kann zu einer Reihe von Statistiken fur ein Gerat fuhren, die einige Werte enthalten, bevor ein E/A-Vorgang abgeschlossen wurde und einige fur danach. Dieser Befehl rundet Werte ab, wenn die sekundenbezogenen Statistiken ermittelt werden. Falls Sie beispielsweise dd dazu verwenden, ein Band auf ein anderes zu kopieren und tapestat mit einem Intervall von 5 Sekunden ausfuhren und wahrend des Intervalls 3210 Schreibvorgange und 3209 Lesevorgange stattfanden, dann wurden 642 Schreibvorgange pro Sekunde und 641 Lesevorgange pro Sekunde (641,8 wird dabei auf 641 abgerundet) angezeigt. Wenn es ein zu kopierendes Tar-Archiv (mit einer Blockgrosse von 10 kB) ware, wurden Sie auch einen Unterschied von 2 zwischen dem Datendurchsatz (kB_read/s und kB_wrtn/s) erkennen (ein E/A-Vorgang der Grosse 10 kB geteilt durch die Intervalldauer von 5 Sekunden). Falls es stattdessen 3210 Schreibvorgange und 3211 Lesevorgange gab, wurde fur beides der gleiche Wert von 642 Vorgangen pro Sekunde angezeigt, aber fur den Datendurchsatz wurde sich dennoch zwischen den Werten fur kB_read/s und kB_wrtn/s eine Differenz von 2kB/s ergeben. Dieser Befehl arbeitet mit einem Intervall in Sekunden. Allerdings wird intern das Intervall pro Gerat erfasst, was sich moglicherweise auf die sekundenbezogenen Statistiken auswirken kann. Die Zeit, zu der jeder Statistiksatz erfasst wird, wird fur diese Statistiken beibehalten. Der Unterschied zwischen der aktuellen und der vorherigen Zeit wird zur Verwendung in Berechnungen in Millisekunden umgewandelt. Wir konnen uns anschauen, wie sich dies auf die gemeldeten Statistiken auswirken kann, wenn wir zum Beispiel ein Tar-Archiv mit dd zwischen zwei Bandlaufwerken kopieren. Wird von beide Geraten eine Ubertragung von 28900 Kibibyte gemeldet und das Lesebandlaufwerk hatte einen Intervall von 5001 Millisekunden und das Schreibbandlaufwerk 5000 Millisekunden, dann wurden sich 5778 kB_read/s (gelesene Daten pro Sekunde) und 5780 kB_wrtn/s (geschriebene Daten pro Sekunde) ergeben. Der Einfluss auf die Ermittlung der Statistiken, wahrend ein E/A-Vorgang abgeschlossen wird, oder durch das Abrunden oder durch geringe Unterschiede in der Intervalldauer, ist minimal in Bezug auf die errechneten Statistiken, ist aber dennoch nicht Null. UMGEBUNGSVARIABLEN Der Befehl tapestat berucksichtigt die folgenden Umgebungsvariablen: S_COLORS Standardmassig werden die Statistiken im Terminal in Farbe dargestellt. Verwenden Sie diese Variable, um die Einstellungen zu andern. Mogliche Werte fur diese Variable sind never, always oder auto (Letzteres ist die Standardeinstellung). Beachten Sie, dass die Farbe (egal ob rot, gelb oder irgendeine andere Farbe), die zum Anzeigen eines Wertes verwendet wird, nicht allein durch die Farbung eine Bedeutung fur die Ausgabe hat. Sie zeigt lediglich verschiedene Wertebereiche an. S_COLORS_SGR Diese Variable gibt die Farben und andere Attribute an, die zur Anzeige der Statistiken im Terminal verwendet werden. Deren Wert ist eine durch Doppelpunkte getrennte Liste der Fahigkeiten, standardmassig I=32;22:N=34;1:W=35;1:X=31;1:Z=34;22. Folgende Fahigkeiten werden unterstutzt: I= SGR-Teilzeichenkette (>>Select Graphic Rendition<<) fur Bandbezeichnungen. N= SGR-Teilzeichenkette fur von Null verschiedene statistische Werte. W= (oder M=) SGR-Teilzeichenkette fur Prozentwerte im Bereich von 75% bis 90% (oder im Bereich von 10% bis 25%, abhangig von der Metrik). X= (oder H=) SGR-Teilzeichenkette fur Prozentwerte grosser oder gleich 90% (oder kleiner oder gleich 10%, abhangig von der Metrik). Z= SGR-Teilzeichenkette fur Null-Werte. S_TIME_FORMAT Falls diese Variable existiert und deren Wert auf ISO gesetzt ist, dann wird die aktuelle Locale bei der Ausgabe des Datums in der Berichtsuberschrift ignoriert. Der Befehl tapestat wird dann stattdessen das ISO-8601-Format (JJJJ-MM-TT) verwenden. Der mit der Option -t angezeigte Zeitstempel wird auch zum ISO-8601-Format kompatibel sein. FEHLER Das /sys-Dateisystem muss eingehangt sein, damit tapestat funktioniert. Es wird mit Kerneln nicht funktionieren, die nicht uber Sysfs-Unterstutzung verfugen. Dieser Befehl benotigt einen Kernel der Version 4.2 oder neuer (oder die auf eine fruhere Kernelversion zuruckportierte Unterstutzung fur Bandlaufwerk-Statistiken). Obwohl tapestat Einheiten entsprechend Kilobyte (kB), Megabyte (MB) usw. anzeigt, sind eigentlich Kibibyte (kiB), Mebibyte (MiB) usw. gemeint. Ein Kibibyte ist gleich 1024 Byte und ein Mebibyte ist gleich 1024 Kibibyte. DATEIEN /sys/class/scsi_tape/st/stats/* Statistikdateien fur Bandlaufwerke. /proc/uptime enthalt die Laufzeit des Systems. AUTOR Ursprungliche Revision von Shane M. SEYMOUR (shane.seymour hpe.com) Fur Sysstat angepasst von Sebastien Godard (sysstat orange.fr) SIEHE AUCH iostat(1), mpstat(1) https://github.com/sysstat/sysstat https://sysstat.github.io/ UBERSETZUNG Die deutsche Ubersetzung dieser Handbuchseite wurde von Mario Blattermann und Helge Kreutzmann erstellt. Diese Ubersetzung ist Freie Dokumentation; lesen Sie die GNU General Public License Version 3 oder neuer bezuglich der Copyright-Bedingungen. Es wird KEINE HAFTUNG ubernommen. Wenn Sie Fehler in der Ubersetzung dieser Handbuchseite finden, schicken Sie bitte eine E-Mail an die Mailingliste der Ubersetzer . Linux JULI 2025 TAPESTAT(1)